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12. Juli 2015

Teller statt Tonne!

Ein bunter Gemüseeintopf als politischer Protest gegen die sinnlose Verschwendung von Lebensmitteln

Dass ein Gemüseeintopf ein kulinarisches Highlight und gleichzeitig politischer Protest sein kann, bewies die Münsteraner Slow Food Youth-Gruppe am 27. Juni eindrucksvoll. Ihre Rezeptur für einen guten Eintopf: eine außergewöhnliche Location unter freiem Himmel, vor der Tonne gerettete Lebensmittel, viele freiwillige Schnippler, experimentierfreudige Köche und coole DJ-Beats.

Circa 200 kg Obst und Gemüse, das den Ansprüchen der Konsumenten nicht mehr genügte und aussortiert wurde, sammelten die jungen Aktivist*innen bei Erzeugern, Marktständen, Bäckereien und Supermärkten der Region. Gemeinsam mit etwa 150 interessierten Bürger*innen zauberten die Köche Karina Buß und Philipp Große insgesamt acht riesige Wok-Pfannen Eintopf. Das schmackhafte Menü reichte von altdeutschem Gemüseeintopf, Ratatouille und asiatischem Gemüsecurry bis hin zu süßem Couscous. Stars dieses Abends waren nicht etwa aktuelle Szene-DJs, nein, herzförmige Kartoffeln, zweibeinige Möhren, großwüchsige Pastinaken, verschmähter Rotkohl und gespaltener Kohlrabi waren die wahren Highlights des Abends.

Über 18 Mio. Tonnen Nahrungsmittel landen in Deutschland laut der aktuellen WWF-Studie „Das grosse Wegschmeißen“ pro Jahr in der Tonne. Davon wären bereits heute 10 Mio. Tonnen vermeidbar. Besonders Obst und Gemüse landet oft im Müll oder aber erst gar nicht in der Ladentheke, weil es beispielsweise den Optik- und Texturanforderungen von Groß- und Endverbrauchern nicht genügt. Mit dieser kulinarischen Protestaktion will Slow Food Youth ein Zeichen setzen und zeigen, dass auch schrumpelige Paprika oder aufgeplatzte Bananen es verdient haben, wert geschätzt zu werden und, dass gemeinsames schruppen, schnippeln und genießen eine Menge Spaß bringen kann.

Die Slow Food Youth-Gruppe in Münster gründete sich im April 2014 an der Fachhochschule Münster im Rahmen einer Masterprojektarbeit des Studienganges „Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft“ (Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management). Auch die Organisation der Schnippeldisko wurde im Rahmen einer solchen Projektarbeit von vier Studierenden übernommen. Die Slow Food Youth Gruppe setzt sich darüber hinaus mit weiteren Aktionen und viel Engagement für gute, saubere und faire Lebensmittel ein. So findet im Oktober diesen Jahres ein „Food Filmfestival“ in Münster statt. Alle Interessierten sind herzlich zum Mitmachen eingeladen!

Stefanie Rachor

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